Am 27. Januar 1881 wurde in der Gaststätte „Kommunschank", 2. Straße Nr. 18 in Striesen der Männergesangverein zu Striesen gegründet. Nach Angaben des Adress- und Geschäftshandbuches der Gemeinde Striesen 1883, Seite 103, setzte sich der Vorstand aus folgenden Personen zusammen:

  • Vorstand: Johann Friedrich Hennisch, Restaurateur
  • Kassierer: Martin Renner in Dresden
  • Schriftführer: Heinrich Altmann
  • Liedermeister: Emil Robert Hachenberger, Lehrer

Der Zweck des Vereins war die Pflege des Männergesangs und so sollten jährlich mehrere „Concerte zu Wohlthätigkeitszwecken" abgehalten werden. Dazu fanden allwöchentlich dienstags von 20 Uhr bis 23 Uhr im Kommunschank die Übungsabende statt. Im Gründungsjahr waren ,,20 active und 2 passive Mitglieder" im Verein. Das Gründungslokal befand sich in der späteren Paul-Gerhard-Straße. Die Straßenumbenennung geschah nach der Eingemeindung Striesens im Jahre 1892. Das Haus ist bei den Bombenangriffen auf Dresden 1945 zerstört worden.

Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland ab 1871 hatte Dresden viele Chorgemeinschaften. Die kleinen Chöre gehörten zu der unteren Ebene der Musikpflege. Als Residenzstadt gab es insbesondere die höfische Musikpflege und viele bürgerliche Einrichtungen. Als Beweis dafür dürfte das 1. Deutsche Sängerfest 1865 in Dresden genannt werden, das unterhalb der Brauerei Waldschlösschen stattfand und nicht ohne Einfluss auf die Gründung von neuen Chören war. Ungefähr 16.000 Sänger aus Deutschland und der Welt nahmen daran teil. Zum 150. Jubiläum dieser Großveranstaltung durte am 25. Juli 2015 auch der Männerchor Dresden-Striesen als Gastgeber mitwirken.

In der über 130-jährigen Geschichte des Chores wurden in Striesen häufig die Übungslokale gewechselt. Nach mündlichen Überlieferungen trafen sich die Sänger während des 2. Weltkrieges bis zum Januar 1945 in der Gaststätte ,,Reißiger Hof", Reißiger Str. 70, Dresden-Striesen. Durch den Bombenangriff wurde auch dieses Lokal zerstört und mit ihm alle sich dort befindlichen schriftlichen Unterlagen, die Protokollbücher und auch die Vereinsflagge.

Nach 1946 schlossen sich die noch vorhandenen Sänger der Chorgemeinschaften ,,Männergesangverein Dresden-Striesen, Striesener Liedertafel, Blasewitzer Liedertafel und Liedergruß Neugruna" zum neuen ,,Männerchor Dresden-Striesen" zusammen. Die Leitung des Chores lag bis 1948 in den Händen von Arthur Bormann, ehemaliger Vorsitzender der ,,Blasewitzer Liedertafel". Als Rechtsnachfolger dieser Chöre besitzen wir auch die Vereinsflagge des vorgenannten Chores.

Der erste Nachweis über diesen Zusammenschluss ist im Protokollbuch vom 1.1.1949 enthalten, wo unter dem 23.1. der Ablauf der 3. Jahreshauptversammlung des neuen Chores im ,,Neugrunaer Kasino" beschrieben ist. Die Teilnehmerzahl betrug 53 aktive und 7 passive Sangesfreunde. An Stelle des bisherigen Liedermeisters Gerhard Rösner übernahm ab 8.3.1949 der Chormeister Artur Aurich zeitweise die musikalische Leitung, die ab 19.9.1950 bis 1952 von Gerhard Rösner wieder übernommen wurde.

Im März 1950 wurde die Deutsche Volksbühne, Abt. Volkskunst gegründet, der alle Gruppen (Deutscher Sängerbund 1862, Arbeitersängerbund 1908) vereinte und aufnahm. Der Männerchor Dresden-Striesen erhielt 1971 Zugang von elf ehemaligen Sängern des „Friedrich-Silcher-Chores". Seit dem 1. Januar 1976 wurde auf Antrag des Chores vom Stadtbezirk Dresden-Ost ein Trägerbetrieb zugeteilt. Das war bis 1989 der VEB Metallleichtbau Werk Dresden-Niedersedlitz (MLK). Dieser Patenbetrieb übernahm die Finanzen. Im Jahre 1980 wurde dem Chor vom Stadtbezirk Ost der Staatstitel ,,Ausgezeichnetes Volkskunstkollektiv der DDR" verliehen, nachdem bei verschiedenen Wettbewerben das Prädikat ,,Leistungsstufe B mit Mittelstufe gut'' zuerkannt worden war.

Am 25. April 1981 fand aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Chores in der HO-Gaststätte „Unterer Gasthof Lockwitz", Dohnaer Str. 217, 8047 Dresden ein Festkonzert mit dem Gastchor „Golßen" unter der Leitung von Heinrich Westendorf und Kapellmeister Willy Wolff statt.

Nach der Wende 1990 stellte das MLK seine Sponsorentätigkeit ein. Es ist dem damaligen Vorstand und den aktiven Mitgliedern zu verdanken, dass der Chor weiter auf der Bühne blieb. Er erhielt 1991 Vereinsstatus und trat dem „Sächsischen Sängerbund" bei. Der Männerchor konnte seinen Erfolgskurs unter der künstlerischen Leitung von Susanne Antkowiak fortsetzen und auch die ökonomischen Zwänge meistern.